Ein Blick in die Zukunft der Deutschen Bahn

Ende Oktober war ich auf Einladung* der Deutschen Bahn in Berlin. Unter dem Motto „Mobilität erleben“ wurde ausgewählten Stammkunden vorgestellt, was der Konzern in den kommenden Monaten und Jahren plant. Dazu waren neben Bahnmitarbeitern auch einige Startups vor Ort, mit denen die DB mehr oder weniger eng kooperiert.

Deutsche Bahn: Mobilität erleben

Unzählige Projekte wurden vorgestellt. Aber ich möchte mich an dieser Stelle auf meine persönlichen Highlights konzentrieren:

DB BahnhofsBox („Emmas Box“): Intelligente Schließfächer

Emmas Box Smarte Schließfächer

Bahnhofsschließfächer sollen zukünftig nicht mehr nur alleine für die Gepäckaufbewahrung genutzt werden, sondern mit Zusatzfunktionen ausgestattet werden. Unabhängig von Öffnungszeiten könnten dann beispielsweise Online-Einkäufe, gereinigte Hemden oder Mietwagenschlüssel abgeholt werden können. In diesem Szenario ist es Pendlern zukünftig möglich, auf der Zugfahrt nach Hause Lebensmittel über eine App beim Supermarkt um die Ecke zu bestellen und die Ware dann kurze Zeit später am Zielbahnhof aus speziellen Kühlboxen abzuholen. Hierbei kooperiert die Bahn mit dem Startup emmasbox, die am Bahnhof Südkreuz gemeinsam mit Edeka bereits eine funktionierende Lebensmittelbox aufgestellt haben.

CleverShuttle: „Ride Sharing“-Fahrdienst

CleverShuttle

CleverShuttle ist ein Service, der sich am leichtesten als modernes Sammeltaxi beschreiben lässt. Per App nennt man dem Dienst seine Ankunftszeit am Zielbahnhof und den gewünschten Zielort in der Stadt. Ein Algorithmus bündelt Fahrgäste mit ähnlichen Routen zu Fahrgemeinschaften und befördert diese gemeinsam zu ihrem Ziel. Alle Fahrgäste teilen sich den Preis für die Fahrt und sparen damit. CleverShuttle setzt mit seinem Fuhrpark vollständig auf Elektroautos. Derzeit gibt es den Dienst allerdings nur in Berlin, München und Leipzig und auch nur zu den Stoßzeiten. Ein Ausbau der Zeiten und Orte ist aber geplant. Die App habe ich mir schon installiert und werde sie bei meinem nächsten Berlin-Besuch mal testen.

Roller-Sharing: Elektro-Roller als Call a Bike Alternative

eMio Rollersharing

Ergänzend zu Flinkster (Carsharing) und Call a Bike (Leihfahrräder) bietet die Deutsche Bahn in Berlin zukünftig gemeinsam mit dem Startup eMio Roller-Sharing an. Ab Frühjahr sollen insgesamt 150 Elektro-Roller zur Verfügung stehen.

Parkplatzprognose: Schneller einen Parkplatz am Bahnhof finden

Bereits heute kann man sich unter www.parkenambahnhof.de vor Reisebeginn über die Lage, Tarife und Verfügbarkeiten von Parkmöglichkeiten rund um den Bahnhof informieren. Für über 40 Standorte gibt es zudem eine Parkplatzprognose für die nächsten zwei Stunden.

Qixxit: Bahn, Bus, Flugzeug vergleichen

Qixxit habe ich hier im Blog schon vor längerer Zeit vorgestellt. Es handelt sich dabei um einen Dienst, der nicht nur die Fahrplandaten der Deutschen Bahn enthält, sondern auch auf die Daten anderer Verkehrsunternehmen (bspw. Fernbus, Taxi, usw.) zugreift. Dadurch können die Verkehrsmittel intelligent miteinander verknüpft werden und eine Reiseplanung von Tür zu Tür wird möglich. In den vergangenen Monaten hat sich bei Qixxit einiges getan, weshalb dieser Dienst in Berlin auch noch mal vorgestellt wurde.

Deutsche Bahn auf Amazon Echo: Alexa kennt deine Zugverbindung

Als eines der ersten großen Unternehmen in Deutschland ist die Bahn mit einer eigenen App für Amazons neue Sprachassistentin Alexa vertreten. Auf Wunsch kann man sich also nicht nur das Wetter ansagen lassen, sondern auch auf die Fahrplanauskunft der Bahn zugreifen. Sogar Bahntickets lassen sich per Sprachbefehl buchen. Komplexere Anfragen werden, laut Aussage eines Mitarbeiters, allerdings erst in einer der nächsten Versionen möglich sein. Also beispielsweise „Alexa ist mein Zug heute pünktlich?“, „Alexa habe ich noch Zeit für einen Kaffee?“, oder ähnlich.

DB Navigator: Endlich mit Wagenreihung

Die DB Navigator App ist inzwischen eines der wichtigsten Tools der Deutschen Bahn. Laut Bahn werden täglich über 3,9 Millionen mobile Reiseauskünfte über den DB Navigator abgerufen und im September wurden 850.000 Handy-Tickets direkt über die App gebucht. Für Dezember kündigt man ein Update der App an. Ab dann sollen sich in der App die aktuelle Wagenreihungen aller ICE-Züge anzeigen lassen.

Maxdome onboard: Bordunterhaltung wie im Flugzeug

Deutsche Bahn ICE-PortalDeutsche Bahn ICE-Portal

Ab Ende des Jahres werden nach und nach alle ICE mit einem Bordunterhaltungssystem ausgerüstet. Mit dem eigenen Smartphone oder Tablet kann man sich dann per WLAN in das System einklinken und darüber Fahrzeiten, Standort und vielfältige Reiseinformationen erhalten. Zudem hat die Bahn eine Partnerschaft mit maxdome geschlossen, die den Fahrgästen Bewegtbildinhalte zur Verfügung stellen. Insgesamt wird es im maxdome-Bereich 50 kostenfreie Inhalte geben. Die Filme und Serien sind jeweils direkt auf einer Festplatte im ICE gespeichert, wodurch man nicht auf das Funknetz angewiesen ist und auch in ländlichen Regionen nicht in die Röhre schaut. Um mehr als die 50 kostenfreien Filme anschauen zu können, muss man dann allerdings maxdome-Kunde werden.

Neue Aufenthaltsbereiche am Bahnhof: Endlich nicht mehr frieren in Kassel-Wilhelmshöhe

neue-wartehallen

Neben den vielen Apps und Startups wurde außerdem angekündigt, dass bis 2019 an 21 Bahnhöfen neue Aufenthaltsbereiche eingerichtet werden sollen. Ausgestattet werden diese nicht nur mit neuen „Temperatur- und Lichtgestaltungen“, sondern auch mit Stromlademöglichkeiten und WLAN. Auf meine Nachfrage hin wurde mir versichert, dass Kassel-Wilhelmshöhe auf der Liste weit oben stehen würde.

ICE 4: Endlich mit dem Fahrrad im ICE

ICE 4 ICE4

Im Rahmen des Events hatte ich außerdem die Möglichkeit eine kurze Testfahrt mit dem neuen ICE 4 zu unternehmen. Über das neue Flaggschiff der Deutschen Bahn wurde in der Presse schon viel geschrieben. Was mir auf der Fahrt aber sehr positiv aufgefallen ist, sind die deutlich vergrößerten Abstellflächen für Koffer und schweres Gepäck, die verbesserte Darstellung der Sitzplatzreservierungen und vor allem das Fahrradabteil. Endlich ist es möglich mit dem Fahrrad im ICE zu verreisen. Auch wenn die Fahrradabstellflächen – insbesondere unter Pendlern – nicht nur Freunde finden werden, ich finde es eine gute Entwicklung. Negativ aufgefallen sind mir die fehlenden Abteile. Im neuen ICE sitzt man zwangsläufig immer im Großraumwagen. Auch dieses Thema ist natürlich Geschmackssache. Den einen freut es, den anderen nicht. In der FAZ ist dazu gerade eine guter Artikel erschienen.

(*) Disclaimer: Die Deutsche Bahn AG hat mir ein 1. Klasse-Ticket für die Fahrt nach Berlin zur Verfügung gestellt. Übernachtungskosten habe ich selbst getragen.

1 Kommentar

  1. Endlich kann ich wieder einen Urlaub ihn Norddeutschland planen, wenn bald die Aussicht auf einen angenehmen Umstieg in Wilhelmshöhe besteht! Zusätzlich könnte man diese Elektroroller zum raschen Erklimmen der kilometerlangen Wilhelmshöher Rampen zur Verfügung stellen.

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